Im Beisein einer Delegation der Landesregierung wurde das Mütterzentrum Aurora als Erstes seiner Art im serbischen Belgrad eröffnet. Gründerin Jelena, eine vor Verfolgung aus Serbien geflohene Roma, ist mit ihrer Familie 2016 aus der Unterkunft in der Böblinger Straße „freiwillig ausgereist“.

Geflohen, Angekommen, Integriert, Abgelehnt, Ausgereist…

Die Brkics, eine Roma-Familie aus Serbien, wohnten bis vor etwa zwei Jahren in der Unterkunft Böblinger Straße. Vater, Mutter und zwei Söhne traten in der Unterkunft und im Stadtviertel nicht nur damit hervor, dass sie besonders gut integriert waren, sehr gut Deutsch lernten und sich immer wieder selbstständig um Ausbildung, Arbeit und Kontakte im Viertel bemühten. Sie waren auch eine der ersten Familien in der Unterkunft, die den Weg der so genannten „freiwilligen Ausreise“ wählten, um einer Abschiebung in ihre Heimat Serbien zuvor zu kommen. Das Wort „freiwillig“ ist hier höchst relativ zu Betrachen, wie die  Geschichte von der Flucht der Familie und ihrer Situation in Deutschland zeigt.

Die Familie ist ausgereist, wieder in Belgrad angekommen, hat sich irgendwie durchgeschlagen. Die Freundschaften und der Kontakt in den Stuttgarter Süden aber blieben bestehen. Einige Helfer aus dem Freundeskreis pflegen den Kontakt mit den Brkics weiterhin, vor allem unsere Sprecherin Heide Soldner, bei der die Familie seither schon mehrmals zu Besuch war.

Im Gepäck: Die Idee vom Mütterzentrum Aurora

Zumindest einen Impuls aus ihren Erfahrungen in Stuttgart hat die Familie in ihre Heimat  mitgenommen: Mutter Jelena (Foto ganz oben links) war hier häufig zu Gast im Mütterzentrum MüZe in Heslach im Generationenhaus, brachte sich dort aktiv ein und lernte diesen Ort als sicheren Raum kennen, wo Frauen jeder Religion, Herkunft und Nationalität alltägliche Hilfe einen, selbst aktiv werden können und so mit einfachen Mitteln und völlig unkompliziert ihr Leben erleichtern können. Mütter- und Familienzentren gibt es in vielen Städten, allein in Stuttgart listet der Verein Mütterforum Baden Württemberg e.V. fünf solcher Anlaufstellen.

Diese Idee trug sie nach Belgrad, wo es noch viel mehr Frauen gibt, die Hilfe und Solidarität angesichts massiver Probleme und Benachteiligungen im Alltag gut brauchen können. Die Idee: Im Mütterzentrum treffen sich Frauen aus der Nachbarschaft, um sich gegenseitig zu helfen – ohne dass für jede Tätigkeit Geld fließt oder Gegenleistungen erwartet werden. Der Austausch von Fähigkeiten und Talenten steht im Mittelpunkt, so dass die gegenseitige Hilfe zu besseren Lebensbedingungen für alle führen kann.

Über den Kontakt zwischen Jelena Brikic, Heide Soldner und Andrea Laux (Foto ganz oben, Mitte), einer der Mitbegründerinnen der Mütterzentrums-Bewegung in Baden-Württemberg und Mitglied im Freundeskreis Süd, wurde die Idee Realität, Frauen in ihrem Quartier zur Zusammenarbeit und gegenseitiger Unterstützung zu bewegen. Im Februar 2017 kam Jelena Brikic einmal wieder nach Stuttgart und sammelt im MüZe Stuttgart Süd weitere Erfahrungen. Sogar die Stuttgarter Zeitung berichtete.

Aus der Idee wurde so nach und nach ein Ort, den die Gruppe anmieten konnte, und über die Hilfe von Andrea Laux und weiteren Netzwerkern konnte eine Förderung des Mütterzentrum Aurora, dem ersten seiner Art in Belgrad, über die Baden-Württemberg-Stiftung erreicht werden. Drei Jahre lang steuert die Landesstiftung dem Mütterzentrum nun 18.000 Euro bei.

Delegation um Staatsrätin Gisela Erler bei der Eröffnung

Eine gemischte Regierungsdelegation aus Baden-Württemberg hat von 16.-20.04.2018 in Serbien, Bosnien und Kroatien Gespräche mit Regierungs- und Wirtschaftsvertretern geführt und Projekte besichtigt. Der erste Besichtigungspunkt einer Delegation um die Staatsrätin für bürgerschaftliches Engagement Gisela Erler (Foto ganz oben, rechts) war eben das neu eröffnete Mütterzentrum Aurora.

Die Frauen dort haben für diesen großen Tag gebacken, mit den Kindern gebastelt und die Besucher und Gäste bewirtet. Obwohl es beim offiziellen Besuch regnete, blieben unter leichten Zelten alle Besucher und TeilnehmerInnen trocken; es herrschte eine gute, freundliche Atmosphäre. Das Team hat sich Staatsrätin Erler und den deutschen und serbischen Delegationsmitgliedern präsentiert und flammende Reden gehalten. Von deutscher Seite waren auch Daniel Strauss vom Landesverband der Sinti und Roma und der Lagrenne Stiftung sowie Romeo Franz, erster  Sinto-Europaabgeordneter dabei. Die beiden Interessenvertreter der in den Balkanstaaten häufig verfolgten und benachteiligten Sinti und Roma erklärten, dass sie den Impuls der Initiative des Mütterzentrums unterstützen und weitere politische Arbeit in diesem Sinne initiieren wollen. Auch die Mit-Initiatorin und Mütterzentren-Förderern Andrea Laux war als Teil der Regierungsdelegation mit von der Partie und konnte ihre Kontakte nach Belgrad wie auch in die Landesregierung weiter vertiefen.

Uns bleibt zunächst nur, dem Mütterzentrum Aurora in Belgrad ein gutes und hilfreiches Wirken zu wünschen und zu hoffen, dass die hochrangige Delegation auch bei den Behörden in Serbien einen positiven Effekt hat, was Förderungen des Projektes und nicht zuletzt die Situation der vielfach benachteiligten Sinti und Roma angeht.
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