von Barbara Rochlitzer – Ich war etwas aufgeregt vor dem Start unseres Projekts. Wie viel Menschen, wie viel Geflüchtete würden sich angesprochen fühlen? Um 18.30 kamen plötzlich immer mehr Leute, um 18.45 waren wir 25 Personen. 

Es kamen sehr viele junge Syrer und Iraker nicht nur aus Stuttgart, sondern auch aus Ostfildern, Remseck und Ditzingen, ein junger Mann aus Pakistan, ein Ehepaar aus der Ukraine, eine Ägypterin mit ihrer deutschen Tochter, eine fast blinde Frau, die anders sieht, eine junge Frau aus dem Iran, eine junge deutsche Frau. Ganz spontan gesellte sich dann noch ein „Zaungast“ mit 76 Jahren zu uns, der auch gerne mitspielen würde. Die Altersspanne bewegte sich damit zwischen 11 und 76 Jahren.

Gut vorbereitet starteten wir mit Kennenlern-, Lockerungs-und Konzentrationsspielen, die durchaus anspruchsvoll waren. Anschließend ging es darum in Kleingruppen Gefühle wie verliebt, ärgerlich, glücklich, traurig, müde, energievoll, schüchtern darzustellen. Die anderen Gruppen mussten das dargestellte Gefühl erraten. Obwohl die Sprachkenntnisse unterschiedlich waren, klappte dies erstaunlich gut.

Auch auf Zetteln vorgegebene Aufgaben wie einen Autounfall zu spielen, oder eine Szene zu entwickeln, wie „Dieb im Hauptbahnhof“ oder „Kasse im Supermarkt“ gelang den Spielern mit Leichtigkeit.

Nach einer Teepause bildeten wir noch einmal zwei Gruppen, die von Karlo und mir moderiert wurden. Wir fragten die TeilnehmerInnen nach Szenen, die sie gerne spielen würden. In meiner Gruppe berichteten zwei junge Männer von einer Situation, die für sie sehr beschämend war. Sie waren auf einem Stadtfest auf einer Wiese. Sie waren die einzigen mit dunklerer Hautfarbe. Es gab Deutsche, die Marihuana rauchten. Dann kam die Security auf sie zu, hielt sie fest und holte die Polizei. Die Polizei kam, kontrollierte ihre Papiere und durchsuchte sie am ganzen Körper. Die ganze Prozedur dauerte eine Stunde.

Ein Syrer äußerte, er möchte gerne seine Situation darstellen: Er lebt mit einem Sohn in einer Flüchtlingsunterkunft in Zuffenhausen. Seine Frau ist mit zwei weiteren Kindern in der Türkei und darf nicht nach Deutschland einreisen.

Zum Abschluss bildeten wir mit Hilfe eines Wollknäuels ein Netz, das symbolisieren sollte, dass wir alle miteinander verbunden sind. Das wurde dann auf den Boden gelegt und für jede/n TeilnehmerIn ein Teelicht angezündet.

Da das Projekt großen Zuspruch unter Geflüchteten gefunden hat, möchten wir jetzt auch ausdrücklich andere Stuttgarter/Innen einladen, bei unserem Theaterprojekt mitzumachen.

Flüchten und Ankommen ist ein Prozess der uns alle betrifft. Theaterspielen ist eine Möglichkeit mit allen Sinnen anzukommen.

Unsere nächste Theaterprobe ist am Mittwoch 20.September um 18.30 im großen Saal des Mehrgenerationenhauses. Interessenten sind ausdrücklich eingeladen zu kommen, teilzunehmen und mitzuspielen.

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