Ein kleiner Rückblick auf die Weihnachtsaktionen in der Böblinger Straße: Schon zum zweiten Mal haben Schüler und Lehrer des benachbarten Mörike-Gymnasiums und der Mörike Realschule die Kinder in der Böblinger Straße mit Weihnachtsgeschenken beglückt. 

Linus Andrzejczak hat die Schule für dieses Jahr geschafft. Trotzdem ist der 15 jährige Schüler des Mörike-Gymansiums in Stuttgart Süd ein bisschen im Stress. In der Hand hält er eine Liste mit den Namen und Altersangaben aller Kinder in der Flüchtlingsunterkunft in der Böblinger Straße. Auf dem Weg dorthin ist er gerade, nachdem der letzte Schultag für ihn zu Ende gegangen ist. Hinter ihm rollern ein aufgeregt kichernder und lachender Haufen Mädchen mehrere Einkaufswägen mit kunstvoll verpackten Geschenken den Weg aus der Schule Richtung Unterkunft den Berg hinab.

In den letzten Wochen haben sich die Schüler des Mörike die Infos zu allen Kindern in der benachbarten Unterkunft geben lassen und diese für die Weihnachtsaktion anonymisiert ans schwarze Brett geheftet. Die Schüler konnten sich dann aussuchen, für welches Kinder-Alter, Mädchen oder Junge sie ein Geschenk zusammenstellen und verpacken wollten – die knapp 50 Geschenke waren laut Linus Andrzejczak schnell an Schüler der Klassen fünf bis zwölf und einige Lehrer vergeben.

Doch es ist gar nicht so einfach, mit Namen und Alter versehene Geschenke an über 50 Kinder zu verteilen, von denen gar nicht immer alle zu Hause sind. Im letzten Jahr „endete“ die Geschenkeaktion im Eingangsbereich der Unterkunft, weil es sich blitzschnell zu den Kindern herumgesprochen hatte dass die Schüler im Anmarsch sind. Dieses Mal schafften es die Organisatoren dank Hilfe von Hausmeister Ferry und dem Aufzug, alle Päckchen in den Gruppenraum im 5. Stock zu schaffen, bevor man die Kinder im Haus zusammentrommelte. Letzteres war nicht wirklich schwierig, nachdem viele Schülerinnen und Schüler des Mörike die Kinder in der Unterkunft ja von anderen Aktivitäten kennen. Zwei junge Bewohner sind gar Mitschüler. Mohammed aus Syrien etwa geht in die siebte Klasse der Realschule und bekommt von seinen älteren Kameradinnen erst einmal etwas zu hören: „Hey Du könntest uns ruhig ein bisschen helfen“.

Schließlich versammelten sich viele leuchtende Augenpaare – auch von einer Reihe Eltern – im Gruppenraum, als dort auf mehreren Tischen eine fast unüberschaubare Sammlung an Geschenken ausgebreitet wurde, die einzeln mit Namen versehen waren. Linus Andrzejczak indes hatte noch immer vor allem Augen für die Liste: Sind auch wirklich alle Geschenke da? Sind seit der letzten Abstimmung mit der Hausleitung neue Kinder im Haus angekommen – oder gar geboren? Es hilft nichts: man muss einfach mal starten. Und so fand ein Geschenk nach dem anderen seinen Empfänger – und für neue oder vergessene Kinder hatten die Schüler sogar noch etwas Reserve eingeplant.

Zwei Dinge kann der Chronist und Blogger festhalten: Wer solche jungen Nachbarn hat, der muss sich um unsere Gesellschaft keine Sorgen machen. Und: Wer gute Taten derart umsichtig organisiert, der kann sicher sein, dass sie auch ankommen. Danke, liebe Schülerinnen und Schüler.

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