Immer mehr Flüchtlinge in Stuttgart-Süd haben ihre Asyl-Anerkennung und suchen nach einer Wohnung. Wer Stuttgart kennt, der weiß: Einfach geht anders. Aber so kann’s gehen.

Anerkannte Flüchtlinge besitzen eine befristete Aufenthaltsgenehmigung, müssen an einem Integrationskurs teilnehmen und können auch eine Arbeit aufnehmen. Da viele unserer Gäste in dieser Phase sprachlich noch nicht ganz sattelfest sind steht jetzt in erster Linie die Qualifikation an – der Integrations-/Sprachkurs ist Pflicht, viele Bewohner der Unterkunft engagieren sich darüber hinaus im Chor, nehmen das ehrenamtliche Sprachkursangebot wahr oder sind mittlerweile mit Leuten im Viertel befreundet, mit denen sie sich tagtäglich austauschen.

Einige der Bewohner der Böblinger Straße arbeiten bereits im Viertel, zum Beispiel in der Gastronomie oder in Putzstellen, überwiegend in Minijobs. Wie alle anderen Menschen ist auch für anerkannte Asylbewerber das Jobcenter die zentrale Anlaufstelle für alle Fragen der Sozialhilfe und Arbeitssuche. Sie müssen sich um eine Arbeit, eine Ausbildung oder um den Platz im Integrationskurs bemühen. Flüchtlinge bekommen auch die gleichen Leistungen wie andere erwerbslose Mitbürger (Arbeitslosengeld 2 – ALG2) und müssen die gleichen Voraussetzungen erfüllen. Aus einem Minijob mit maximal 450 Euro Einkommen etwa bleiben ALG2-Empfängern 160 Euro, der Rest wird auf das ALG2 angerechnet.

Rechtssicherheit, aber auch Verantwortung

Der Schritt in die Rechtssicherheit – die Asyl-Anerkennung –  ist für Flüchtlinge ganz wichtig, denn erst jetzt sind sie wirklich angekommen. Sie können sich für längere Zeit niederlassen, können planen. Sie müssen nicht mehr im Wohnheim wohnen und haben erstmals eine Perspektive hin zu einem Job, einer Ausbildung oder auch zu dem Beruf, den sie bereits erlernt haben.

Andererseits wird’s jetzt auch Ernst mit der Integration, mit der Bürokratie – und nicht zuletzt mit der Wohnungssuche. Denn so sehr ein Leben über ein bis zwei Jahre in Viererzimmern nervt, so schwierig ist es, in Stuttgart eine günstige Wohnung zu finden. Genau dazu sind Flüchtlinge aber angehalten – nach den gleichen Regeln wie alle ALG2-Empfänger. Das bedeutet: Das Jobcenter kommt für die Miete bis zu einer definierten Obergrenze auf, die je nach Personenwahl passend zu einer typischen angenommenen Wohnungsgröße angesetzt wird (siehe ganz unten).

Vorteil für den Vermieter: Die Miete wird zuverlässig bezahlt, immerhin kommt sie ja vom Jobcenter, so lange kein Einkommen vorhanden ist. Sobald eines oder mehrere Familienmitglieder berufstätig sind, übernehmen sie die Mietzahlungen selbst – eventuell zuzüglich etwaiger Jobcenter-Zuschüsse (“Aufstocker”).

Vermittlung zwischen Flüchtlingen und Vermietern

Kurzum: Die Miete ist sicher, aber wie finden Vermieter und Flüchtlinge auf Wohnungssuche überhaupt zusammen? Die Wohnungssuche in Stuttgart ist für Alle schwierig. Ebenso sicher ist aber, dass sich frisch anerkannte Asylbewerber besonders schwer tun, auf dem freien Wohnungsmarkt mitzuhalten.

Um die Hemmschwelle bei Vermietern herabzusetzen, bietet die Sozialberatung in der Unterkunft zusammen mit dem ehrenamtlichen Freundeskreis Stuttgart Süd daher einen Mieter-Vermittlungsservice an. Wohnungsangebote nehmen wir gerne entgegen, suchen passende Bewohner und Familien und arrangieren ein zwangloses Kennenlernen. Verläuft das positiv, dann erst steht eine Wohnungsbesichtigung an.

Wenn alles passt, dann klären Katja Demele und ihre Kolleginnen und Kollegen von der Sozialberatung zusammen mit Vermietern und den neuen Mietern alle bürokratischen Fragen. Für Behördengänge oder Besichtigungen stehen ehrenamtliche Helfer aus dem Freundeskreis zur Verfügung. In vielen Fällen finden sich im Freundeskreis auch mögliche Bürgen und Bekannte, die wohnungssuchende Bewohner teils schon längere Zeit kennen und gern für sie eintreten.

Auf diese Weise sind schon einige Familien und Einzelpersonen in Wohnungen in Stuttgart vermittelt worden. Es kam auch schon vor, dass auf diese Weise Wohnraum wiederbelebt wird, der längere Zeit leer stand. Kleinere Renovierungen sowie Schönheitsreparaturen erledigen viele der Wohnungssuchenden in Absprache mit den Vermietern selbst.

Die Neubürger und Helfer freuen sich über alle Angebote – vom WG-Zimmer über 1-2 Zimmer-Wohnungen bis zur größeren Wohnung für Familien mit Kindern. Wer eine Wohnung anbieten möchte oder jemanden kennt, der jemanden kennt, der jemanden kennt – Angebote einfach per Mail an Behördengaenge@freundeskreis-süd.de.

Mietobergrenzen für ALG2-Empfänger

Hier noch die harten Zahlen: Wer eine Wohnung an ALG2-Empfänger vermietet, der kann in der Regel maximal die unten genannten Mieten  verlangen – jeweils natürlich für Wohnraum, der für die jeweilige Personenzahl auch geeignet ist und von so vielen Menschen bezogen wird. Diese Werte errechnen sich aus dem fiktiven Wohnflächenbedarf, der in einer Verwaltungsvorschrift das Landes zur Wohnraumförderung festgehalten wurde sowie dem niedrigsten Mietschlüssel (Altbau vor 1975, einfache Lage und Ausstattung). In Einzelfällen soll sich der Betrag auch anpassen lassen, wenn es dafür triftige Gründe gibt, berichtet die Sozialberatung der Flüchtlingsunterkunft. Günstiger dürfen entsprechend Wohnungen natürlich immer sein. DasGeld spart am Ende der Staat – und die Bewohner, sobald sie ein eigenes Einkommen haben und selbst für die komplette Miete aufkommen müssen.

  • Für eine Person: 436,50 Euro (entspricht 45 qm à 9,70 Euro)536
  • zwei Personen: 536 Euro (60 qm à 9,10 Euro)
  • drei Personen: 645 Euro (75 qm à 8,60 Euro)
  • vier Personen: 774 Euro (90 qm à 8,60 Euro)
  • fünf Personen: 903 Euro (105 qm à 8,60 Euro)
  • sechs Personen: 1068 Euro (120 qm à 8,90 Euro)
  • weitere Person: 133,50 Euro (15 qm à 8,90 Euro)

Die Beträge sind Kaltmieten, die Betriebs- und Verbrauchskosten werden gesondert abgerechnet und bezahlt.

 

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