Die verschärfte Asylpraxis trifft die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft Böblingerstraße dieser Tage mit voller Wucht. In den letzten Wochen haben mehrere Familien aus Ländern des Balkans die endgültige Ablehnung ihrer Asylanträge erhalten.  Derzeit stehen so 20 Personen vor dem Nichts – sie müssen sich auf die so genannte freiwillige Rückreise vorbereiten. Über die Hälfte von ihnen sind Kinder. Für mehrere weitere Familien dürfte die Ablehnung bald folgen. Für die ehrenamtlichen Helfern ist diese Situation mehr als unangenehm – viele der Menschen sind uns einfach ans Herz gewachsen, es sind echte Freundschaften entstanden. Die Kinder besuchen die Schule, die Eltern helfen immer wieder bei Aktivitäten des Freundeskreises. Ganze Familien sangen im One-World-Chor mit, und nahmen so aktiv an unserer Vorstellung einer funktionierenden offenen Gesellschaft teil. Insgesamt droht über 40 Menschen derzeit akut die Abschiebung beziehungsweise die so genannte freiwillige Ausreise. Das sind fast ein Viertel aller Bewohner in der Unterkunft Böblinger Straße.

Eine kleine Starthilfe

Wir können als ehrenamtliche Helfer nichts an der Situation ändern, aber wir wollen den betroffenen Familien ein Zeichen der Solidarität mitgeben. Für den Neuanfang in der alten Heimat wollen wir gerne jedem abreisenden Flüchtling 100 Euro „Startkapital“ geben – ein kleines Zeichen der Verbundenheit sowie eine Hilfe, um zumindest die ersten Tage und Wochen überbrücken zu können. Für diese Aktion bitten wir herzlich um Unterstützung und rufen deshalb zu einer Spende unter dem Stichwort „Rückkehrhilfe“ auf.  Wenn alle betroffenen Familien in Stuttgart-Süd zurück müssen, dann benötigen wir dafür insgesamt 4.500 Euro. Das ist unterm Strich ein sehr kleiner Betrag – angenommen jeder Mitbürger in Stuttgart-Süd verzichtet auf einen einzigen Cappuccino auf dem mairenplatz oder ein Bierchen in in der Stammkneipe und spendet die paar Euro.

Bitte überweisen Sie Ihren Betrag  auf das
Konto Asyl der katholischen Kirchengemeinde St. Josef,
Stichwort „Rückkehrhilfe S-Süd“

IBAN DE32 6005 0101 0002 4732 71

Ein paar Worte zur Erklärung

An den politischen Gegebenheiten können wir nichts ändern, und auch die Versuche, Abschiebungen aus humanitären Gründen zu unterbinden, sind gescheitert. Der Verweis auf viele gut integrierte Flüchtlinge in unserer Mitte, die eine gute Chance haben, unabhängige Mitglieder unsere Gesellschaft zu werden, sind ungehört verhallt. Eine Bleibeperspektive für gut integriere Familien in Form einer regulären Einwanderung ist nicht in Sicht. Unsere Petition für einen Abschiebestopp im Winter schließlich wurde von der Landesregierung abschlägig beantwortet. Zwar gibt das Staatsministerium an, dass Baden-Württemberg in jedem Einzelfall prüfe, ob „nach geltendem Recht Abschiebungsverbote bestehen“. Dies gelte selbstverständlich auch für Menschen aus den so genannten sicheren Herkunftsstaaten. „Auch die Situation dieser Menschen wird nicht pauschal beurteilt“, teilt man uns mit. Doch gleichzeitig wird auf die Notwendigkeit einer baldigen Ausreise verwiesen, wenn der Asylantrag negativ beschieden wird, so die Antwort der Landesregierung von Baden-Württemberg (siehe PDF-Anhang an diesem Beitrag). Es bleibt dabei, dass in Deutschland so gut wie kein Angehöriger von verfolgten Minderheiten vom Balkan Asyl erhält – ganz im Gegensatz zu anderen EU-Ländern.

Trotz aller Einzelfallprüfungen droht jetzt beispielsweise einer Familie die Ausreise, deren Vater schwer herzkrank ist und der in seiner Heimat in Bosnien kaum eine Chance hat, die notwendige medizinische Versorgung zu bekommen. Er, seine Frau und seine sechs Söhne machen sich so in den nächsten Wochen nach amtlichen Angaben „freiwillig“ auf eine tatsächlich unfreiwillige und lebensgefährliche Reise. Sie und ein Großteil der weiteren betroffenen Familien sind Roma aus den Staaten des ehemaligen Jugoslawien, denen in ihrer Heimat massive Verfolgung und Ausgrenzung droht. Sie haben kaum eine Chance, dort im Arbeitsleben und in der Gesellschaft einen Platz zu finden, wie wir bereits Anfang des Jahres anhand eines Beispiels beschrieben haben.

Freiwillige Ausreise als Alternative zum Abschiebung-Trauma

Auch die Sozialberatung der Flüchtlingsunterkunft empfiehlt den betroffenen Familien eine freiwillige Ausreise, die in der Regel zwischen zwei und vier Wochen nach der endgültigen Asyl-Ablehnung und einer Rückkreiseberatung terminiert wird. Zu dieser freiwilligen Ausreise, die unsere Landesregierung als Alternative zur „Abschiebe-Unkultur“ lobt, gibt es allerdings keinerlei Überbrückungshilfe. Die Menschen bekommen ein Ticket für die Busfahrt in ihr Herkunftsland, damit endet die Zuständigkeit der deutschen Behörden. Der einzige Vorteil für die Betroffenen gegenüber einer Abschiebung ist, dass sie und vor allem ihre Kinder nicht die Strapazen und die Demütigung einer zwangsweisen Abschiebung durch die Polizei über sich ergehen lassen müssen. Hilfe für eine Existenzgrundlage im Herkunftsland gibt es auch bei der freiwilligen Ausreise nicht.

Hier wollen wir ein kleines Zeichen der Humanität setzen und freuen uns über alle, die mithelfen.

 

 

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